Cenobio de Valerón – Kornlager der Ureinwohner
Archäologische Stätte "Cenobio de Valeron" bei Santa Maria de Guía

Cenobio de Valerón – Kornlager der Ureinwohner

Über 350 Höhlen im Tuffstein der Montaña del Gallego

Das Cenobio de Valerón im Norden Gran Canarias zählt zu den eindrucksvollsten vorspanischen Bauwerken der Kanarischen Inseln. Mehr als 350 Kammern, in weiches Tuffgestein getrieben, zeigen, wie durchdacht die Canarios – die Ureinwohner der Insel – ihre Vorräte sicherten und ihr Gemeinschaftsleben organisierten. Ein Ausflug in die Gemeinde Santa María de Guía, der sich lohnt.

Kornlager, Kloster oder Kultstätte? Ein alter Streit

Das Höhlensystem besteht aus mehr als 350 Kammern, die in den weichen Tuffstein der Montaña del Gallego geschlagen wurden – untereinander verbunden durch ein verzweigtes System aus Gängen, Treppen und einstigen Holzleitern. Die Anlage liegt auf einem kaum zugänglichen Steilhang des Barranco de Valerón, auf einer Höhe von rund 275 Metern.

Der Name „Cenobio" (altspanisch: Kloster) ist das Ergebnis einer Fehlinterpretation, die sich über Jahrhunderte hielt. Bereits im 17. Jahrhundert beschrieb der Historiker Pedro Agustín del Castillo das Bauwerk, ohne seine Funktion sicher benennen zu können. Im 19. Jahrhundert deutete der Forscher Sabino Berthelot die Anlage als Rückzugsort der Harimaguadas – Priesterinnen von hohem religiösem und sozialem Ansehen, die junge Frauen des Adels bis zu ihrer Heirat begleiteten. Diese Klostertheorie hielt sich hartnäckig.

Erst im 20. Jahrhundert setzte sich die wissenschaftliche Gegenmeinung durch: Getreidereste in den Kammern, die Ähnlichkeit mit bekannten Kornspeichern auf den Kanaren und in Nordafrika sowie die strategisch geschützte Hanglage sprechen eindeutig für ein kollektives Kornlager. Am 14. Oktober 1978 wurde das Cenobio de Valerón zum Historisch-künstlerischen Denkmal erklärt und steht seitdem unter Denkmalschutz.

Direkt oberhalb der Höhlenanlage befindet sich ein Tagoror – ein Versammlungsplatz der Canarios, der gleichzeitig als Ausguck diente. Der Tagoror des Cenobio de Valerón umfasst acht Steinsitze, einen Altarstein und eine Vertiefung, die Zeugen ritueller Zusammenkünfte sein dürften. Beide Anlagen zusammen vermitteln ein seltenes Bild davon, wie die Ureinwohner Gran Canarias ihr Gemeinschaftsleben organisierten: Vorratshaltung, Versammlung und Ritualort an einem einzigen Hang.

Harimaguadas: Priesterinnen mit Rang und Funktion

Die Harimaguadas nehmen in der altkanarischen Gesellschaft eine besondere Stellung ein. Als Priesterinnen mit hohem sozialem Status übernahmen sie religiöse Aufgaben und begleiteten Töchter des Adels während einer Zeit der Vorbereitung auf Ehe und gesellschaftliche Pflichten. Ob das Cenobio de Valerón dabei tatsächlich als ihr Rückzugsort diente, ist heute wissenschaftlich widerlegt – ihr Einfluss in der Canario-Kultur bleibt jedoch unbestritten.

Die Verwirrung um Funktion und Bedeutung des Bauwerks erklärt sich auch dadurch, dass kaum schriftliche Quellen aus vorspanischer Zeit überliefert sind. Vieles, was über die Canarios bekannt ist, geht auf Berichte spanischer Conquistadoren und spätere Chronisten zurück – und damit auf eine Perspektive von außen, die Deutungen oft mehr als Fakten lieferte.

Das Cenobio de Valerón im Vergleich: Was macht es besonders?

Gran Canaria besitzt mehrere bedeutende archäologische Stätten – doch das Cenobio de Valerón ist in seiner Art einzigartig. Die Cueva Pintada in Gáldar, nur etwa 8 Kilometer entfernt, beeindruckt mit geometrischen Höhlenmalereien und gilt als bedeutendstes Zeugnis altkanarischer Bildkunst. Das Cenobio de Valerón hingegen zeigt die logistische Seite dieser Zivilisation: kollektives Wirtschaften, Vorratshaltung, soziale Organisation.

Der Tagoror del Gallego, direkt auf dem Gelände, ist ein weiteres Puzzlestück: Zusammen ergeben Speicher, Versammlungsplatz und die benachbarten Malereien der Cueva Pintada ein faszinierendes Bild altkanarischer Siedlungskultur im Nordwesten der Insel – und beide Stätten lassen sich gut an einem Tag per Mietwagen verbinden.

Im Vergleich zum Cenobio de Valerón sind Ziele wie die Dünen von Maspalomas oder der Roque Nublo touristisch deutlich stärker frequentiert. Wer archäologische Geschichte ohne Besucherandrang erleben möchte, ist hier richtig. Das Cenobio de Valerón eignet sich auch gut in Kombination mit dem nahe gelegenen Agaete und dem Hafen Puerto de las Nieves – beides ist in unter 20 Minuten erreichbar.

Besuch: Öffnungszeiten, Eintritt und praktische Hinweise

Öffnungszeiten:

  • Oktober bis März: Dienstag bis Sonntag, 10:00–17:00 Uhr
  • April bis September: Dienstag bis Sonntag, 10:00–18:00 Uhr
  • Montags geschlossen

Eintritt:

  • Erwachsene: 3,00 €
  • Kinder (10–14 J.), Studenten mit Ausweis, Senioren ab 65 J.: 2,00 €
  • Kinder unter 10 Jahren: kostenlos
  • Kombiangebot Cenobio de Valerón + Maipés de Agaete: 5,00 € [PRÜFEN]
  • Kombiangebot + Cañada de Los Gatos: 8,00 € [PRÜFEN]

Geführte Rundgänge sind auf Voranmeldung buchbar (Tel. +34 618 607 896, E-Mail: museosyarqueologia@arqueocanaria.com) [PRÜFEN]. Der Parkplatz direkt am Eingang ist kostenlos. Das Gelände liegt auf einem Steilhang – festes Schuhwerk wird empfohlen. [PRÜFEN: Barrierefreiheit]

Anreise ab Las Palmas de Gran Canaria

Mit dem Auto (empfohlen): Ab Las Palmas auf der Autobahn GC-2 Richtung Westen, Ausfahrt Santa María de Guía, dann der Beschilderung „Cuesta de Silva" folgen. Fahrzeit: ca. 30 Minuten. Kostenloser Parkplatz am Eingang vorhanden.

Mit dem Bus (Global – Überlandbus): Ab Busbahnhof San Telmo (Las Palmas) mit Global-Linie 105 (Richtung Gáldar, Andén 6) oder 103 (Richtung Puerto de las Nieves, Andén 6) bis zur Haltestelle in oder bei Santa María de Guía. Von dort sind es noch ca. 20 Gehminuten bergauf bis zur Anlage – die Strecke ist ausgeschildert. Fahrzeit Bus: ca. 40–50 Minuten. Aktuelle Abfahrtszeiten und Haltestellen unter global.es. [PRÜFEN: ob Haltestelle „Cuesta de Silva" oder „Santa María de Guía" näher liegt]

Mit dem Fahrrad: Die Anreise per Rennrad oder E-Bike ist möglich, aber anspruchsvoll: Die GC-2 verfügt abschnittsweise über einen Radweg; die letzten Kilometer zur Stätte führen über eine kurvenreiche Bergstraße. Für Mountainbike oder E-Bike geeignet, für normales Stadtrad nicht empfohlen.