Auditorio Alfredo Kraus – Festung und Leuchtturm am Atlantik
Hexagonaler Konzertsaal, Orgel und Meeresskulpturen von Juan Bordes
Das Auditorio Alfredo Kraus ist das markante Konzert- und Kongresshaus am nordwestlichen Ende der Playa de Las Canteras in Las Palmas de Gran Canaria. Über einem Sockel aus dunklem Vulkangestein erhebt sich der hexagonale Baukörper wie eine Festung mit Leuchtturm – ein Entwurf des katalanischen Architekten Óscar Tusquets, der den Bau 1997 fertigstellte. Benannt ist das Haus nach dem in Las Palmas geborenen Tenor Alfredo Kraus, dessen Vater aus Wien stammte und der bei der Einweihung persönlich anwesend war. Im Inneren vereint es eine hexagonale Konzerthalle mit Panoramafenster zum Atlantik, eine Orgel mit 2.750 Pfeifen – die größte der Insel – und ein skulpturales Meeresthema des Bildhauers Juan Bordes. Als Sitz der Orquesta Filarmónica de Gran Canaria und Schauplatz internationaler Festivals, Opernproduktionen und der jährlichen Alfredo-Kraus-Hommage ist das Auditorio bis heute das kulturelle Herzstück der kanarischen Hauptstadt – und ein architektonisches Wahrzeichen, das von fast jedem Punkt der Playa de Las Canteras aus sichtbar ist.
Am nordwestlichen Ende der Playa de Las Canteras, dort wo der breite Sandstrand in die Steilküste der Cícer übergeht, erhebt sich eines der markantesten Bauwerke von Las Palmas de Gran Canaria: das Auditorio Alfredo Kraus. Zwischen 1993 und 1997 nach Plänen des katalanischen Architekten Óscar Tusquets Blanca errichtet, ist das Haus zugleich Konzertsaal, Kongresszentrum und Heimstätte der Orquesta Filarmónica de Gran Canaria – benannt nach dem berühmtesten Sohn der Stadt: dem Tenor Alfredo Kraus.
Wer war Alfredo Kraus? Ein Tenor mit österreichischen Wurzeln
Alfredo Kraus Trujillo wurde am 24. November 1927 in Las Palmas de Gran Canaria geboren und gilt international als einer der bedeutendsten lyrischen Tenöre des 20. Jahrhunderts. Seinen deutsch klingenden Nachnamen verdankt er seinem Vater Otto Kraus Polensky, einem gebürtigen Wiener, der um 1914 auf die Insel kam, zunächst für das österreichisch-ungarische Vizekonsulat in Las Palmas arbeitete und später als Journalist und Verwaltungsleiter der Zeitung „La Provincia" tätig war. 1923 nahm er die spanische Staatsbürgerschaft an und heiratete die Grancanaria Josefina Trujillo Mujica. Wichtig für deutschsprachige Leser: „österreichisch" bedeutet hier nicht „deutsch" – Kraus klingt für uns vertraut, weil Vater Otto aus dem deutschsprachigen Wien stammte, nicht weil die Familie deutscher Herkunft war.
In diesem musikbegeisterten, mehrsprachigen Elternhaus erhielt Alfredo schon mit vier Jahren Klavierunterricht, mit acht Jahren sang er im Schulchor des Colegio Claret. Auf Wunsch des Vaters schloss er zunächst ein Ingenieurstudium ab, bevor er sich – ausgebildet in Barcelona, Valencia und schließlich entscheidend in Mailand bei Mercedes Llopart – ganz dem Gesang widmete. Sein internationales Debüt gab er 1956 in Kairo als Herzog in „Rigoletto"; 1958 sang er in Lissabon an der Seite von Maria Callas in „La Traviata". Besonders berühmt wurde er für seine Interpretation des Werther in Massenets gleichnamiger Oper. Seine Karriere währte 43 Jahre, ohne dass er je einen Auftritt wegen stimmlicher Probleme absagen musste – ein Beleg für seine legendäre Gesangstechnik.
1990 gründete Kraus in seiner Heimatstadt den bis heute alle zwei Jahre ausgetragenen Concurso Internacional de Canto „Alfredo Kraus", einen der wichtigsten Gesangswettbewerbe Spaniens. Bei der Einweihung des nach ihm benannten Auditoriums am 5. Dezember 1997 war er persönlich anwesend; seine letzten beiden öffentlichen Konzerte überhaupt gab er hier am 17. und 21. März 1999, sechs Monate vor seinem Tod am 10. September 1999 in Madrid. Seit 2003 erinnert jedes Jahr am 24. November, seinem Geburtstag, ein „Homenaje a Alfredo Kraus" mit Orchester und internationalen Solisten an ihn.
Architektur: Festung und Leuchtturm am Ende der Playa de Las Canteras
Óscar Tusquets wollte mit dem Gebäude bewusst zwei Bilder gleichzeitig erzeugen: die einer schützenden Festung und die eines orientierenden Leuchtturms. Über einem Sockel aus dunklem Vulkangestein – eine Anspielung auf die steinernen Dünenkrater, mit denen Inselbauern traditionell ihre Pflanzen vor dem Wind schützen – erhebt sich der kompakte, hexagonale Baukörper des großen Konzertsaals, an den sich auf jeder Seite weitere geometrische Volumen anschließen. Türme verstärken die vertikale Wirkung, und ein großes lichtdurchlässiges Dachelement lässt das Bauwerk von der Ferne wie einen Leuchtturm über der Bucht wirken. Im Inneren bildet eine Galerie aus kanarischem Holz – eine bewusste Reminiszenz an die traditionelle Inselarchitektur – das lichte Foyer.
Architektonisch wird das Auditorio meist der kontextuellen, postmodernen Architektur der 1990er-Jahre zugeordnet: eine Formensprache, die sich nicht an internationalen Stilvorgaben, sondern an Landschaft, Klima und Material des jeweiligen Ortes orientiert. Das milde Inselklima erlaubte es Tusquets dabei, nur die eigentlichen Konzertsäle klimatisieren zu müssen – ein für ein Gebäude dieser Größenordnung ungewöhnlich pragmatischer, ressourcenschonender Ansatz.
Der Architekt Óscar Tusquets und sein Gesamtwerk
Óscar Tusquets Blanca (geb. 1941 in Barcelona) zählt zu den vielseitigsten spanischen Architekten seiner Generation – zugleich Designer, Maler und Schriftsteller. Seine ersten Bauten entstanden in den 1960er- und 1970er-Jahren gemeinsam mit Lluís Clotet im legendären „Studio PER" (u. a. Casa Fullà, Belvedere Georgina, Casa Pantelleria). International bekannt wurde er vor allem durch die seit 1983 laufende Erweiterung und Restaurierung des UNESCO-geschützten Palau de la Música Catalana in Barcelona. Weitere bedeutende Arbeiten sind ein Pavillon im Parc de la Villette in Paris, die Neugestaltung historischer Säle des Musée des Arts Décoratifs im Louvre, ein Wohnkomplex in Fukuoka (Japan), die U-Bahn-Station Toledo in Neapel sowie das Centro Cultural Puertas de Castilla in Murcia. Mitverantwortlich für die Auditorio-Pläne war der Architekt Carlos Díaz, die Bauleitung lag bei Agustín Juárez und Marcos Roger. Auch die beiden späteren Erweiterungen des Auditorio Alfredo Kraus (2002 und 2010) stammen aus Tusquets' Feder.
Die bewohnte Felsenlandschaft: Bildhauer Juan Bordes
Maßgeblich für die Wirkung des Gebäudes ist die Beteiligung des in Las Palmas geborenen Bildhauers und Architekten Juan Bordes. Er verstand das Auditorio als ein „theatralisches Abbild des Meeres" und schuf dafür ein skulpturales Gesamtprogramm, das er selbst als „bewohnten Fels" bezeichnete: Eine voluminöse Meerjungfrau begrüßt die Besucher am Haupteingang, im Inneren tauchen Muscheln, Krebse und Schnecken auf, wie man sie in den Gezeitentümpeln der Playa de Las Canteras findet – inspiriert von der Bildsprache des grancanarischen Malers Néstor Martín-Fernández de la Torre. An der Meeresfassade hinter der großen Bühnenwand thront eine monumentale Medusa aus Aluminium und Bronze.
Säle, Orgel und Ausstattung im Überblick
Nach den Erweiterungen verteilt sich das Auditorio heute auf 25 Säle mit insgesamt rund 16.750 m² Nutzfläche und Platz für bis zu 4.600 Besucher gleichzeitig. Herzstück ist die hexagonale Sala Sinfónica mit rund 1.650 m² und etwa 1.656 Sitzplätzen, deren über 100 m² großes Panoramafenster hinter der Bühne einen ungehinderten Blick auf den Atlantik freigibt. Hier steht zudem die mit Abstand größte Orgel der Insel: ein vom Orgelbauer Blancafort gefertigtes Instrument mit 2.750 Pfeifen, rund 10 Metern Höhe und 8 Tonnen Gewicht – die einzige weltliche Orgel Gran Canarias. Die kleinere, konkav geformte und mit Zedernholz verkleidete Sala de Cámara bietet rund 320 Plätzen ein besonders intimes Konzerterlebnis. 2002 kamen die dreieckigen Säle San Borondón und Alegranza hinzu, 2010 die heutige Sala Jerónimo Saavedra.
Hochkarätiges Kulturprogramm
Als Sitz der Orquesta Filarmónica de Gran Canaria und Schauplatz des jährlichen Festival Internacional de Música de Canarias hat die Sala Sinfónica im Laufe der Jahre Gastspiele von Weltklasseorchestern wie den Wiener Philharmonikern, dem Royal Concertgebouw Orchestra Amsterdam sowie den Orchestern von Boston, Philadelphia und New York erlebt, dirigiert unter anderem von Carlos Kleiber, Lorin Maazel und Zubin Mehta, mit Solisten wie Alfred Brendel oder Anne Sofie von Otter. Hinzu kommen das Festival Internacional de Cine de Las Palmas, das Festival Internacional de Guitarra, der „Rincón del Jazz" sowie regelmäßige Opern- und Zarzuela-Produktionen. Höhepunkt im Jahreskalender ist das „Homenaje a Alfredo Kraus" jeden 24. November – zuletzt unter der Leitung von Karel Mark Chichón mit der Sopranistin Jessica Pratt. Das aktuelle Programm mit Konzert- und Kartenverkauf ist jederzeit unter auditorioalfredokraus.es/programacion einsehbar.
Stimme und Gesicht: Alfredo Kraus im Video und Porträt
Wer den Tenor, dem das Haus seinen Namen verdankt, selbst hören und sehen möchte, findet auf dessen offiziellem YouTube-Kanal historische Konzert- und Opernaufnahmen: youtube.com/alfredokrausoficial. Eine ausführliche Biografie mit zahlreichen Porträtfotos bietet die von seiner Familie getragene Fundación Internacional Alfredo Kraus unter fiak.es/biografia; eine weitere, akademisch verfasste Biografie mit Bildmaterial findet sich bei der Real Academia Canaria de Bellas Artes unter racba.es.
Verkehrsverbindungen
Das Auditorio liegt an einem eigenen Verkehrsknotenpunkt der städtischen Buslinien (Guaguas Municipales), direkt gegenüber dem Einkaufszentrum Las Arenas.
| Linie | Strecke | Hinweis |
|---|---|---|
| 17 | Teatro (Triana/Vegueta) – Auditorio | Direkte Verbindung zur zweiten Kulturbühne der Stadt |
| 25 | Auditorio – Campus Universitario (Tafira) | Über Pío XII / Tomás Morales |
| 32 | Guiniguada – Auditorio | Über Paseo San Antonio |
| 45 | Auditorio – Hoya Andrea | Umstieg in Siete Palmas Richtung Santa Catalina |
| 47 | Auditorio – Tamaraceite | Über Lomo Los Frailes |
| 49 | Puerto – Auditorio | Verbindung zum Kreuzfahrthafen, Takt ca. 10–20 Min. |
| 65 | Puerto – Tamaraceite (Nachtlinie) | Über Auditorio, abends/nachts |
Stand der Linienführung: 2025/2026. Aktuelle Fahrpläne bitte vor Reiseantritt unter guaguas.com prüfen. Die Kasse des Auditorio ist derzeit Mo–Fr 16:00–21:00 Uhr besetzt (Tel. 928 49 17 70, Durchwahl 108); Karten zudem online über auditorioalfredokraus.es. Für Pkw-Anreise steht ein bewachter Parkplatz für rund 2.000 Fahrzeuge zur Verfügung.
Attraktionen in der Nähe
| Ort | Entfernung | Zu Fuß |
|---|---|---|
| Playa de Las Canteras (Cícer) | direkt am Gebäude | 0 Min. |
| Centro Comercial Las Arenas | ca. 100 m | 1 Min. |
| Parque Santa Catalina | ca. 2,2 km Luftlinie | ca. 25–30 Min. am Paseo |
| Castillo de la Luz | ca. 3,1 km Luftlinie | ca. 35–40 Min. |
| Teatro Pérez Galdós (Triana/Vegueta) | ca. 4,8 km Luftlinie | mit Linie 17, ca. 15–20 Min. |